Fassade im Fokus - Architektur abstrakt

Zurück24.01.2006

Ein gekonntes Architekturfoto ist weniger eine Dokumentation als eine Interpretation eines Bauwerks. Deshalb spielen die Wahl der Perspektive, die Raumaufteilung, Licht und Schatten tragende Rollen. Angesichts überwältigender Baukunst fällt es oft schwer, eine losgelöste, individuelle Sichtweise zu entwickeln.

Ein Weg dazu ist sicher das konsequente Herausarbeiten besonderer architektonischer Details. Die Eisenkonstruktion eines Bahnhofs der Jahrhundertwende, die Transparenz von Glas, die Gitterstruktur einer Fassade, die durch Weitwinkel übertriebenen Dimensionen von Wolkenkratzern sichtbar zu machen wäre das Resultat einer solchen Herangehensweise. Eine andere Möglichkeit liegt in der plakativen Gestaltung mittels eines sehr eng gewählten Bildausschnitts. Wenn Sie dazu noch versuchen, monochrom oder nur mit zwei kontrastierenden Farben zu arbeiten, sind Sie auf dem besten Weg, eine eigenständige Bildsprache zu finden.

Kühne Aufnahmestandorte, packende Perspektiven, oder extreme Bildausschnitte – und was ist mit den stürzenden Linien? Jeder, der schon einmal versucht hat, ein Hochhaus aus der Nähe zu fotografieren, kennt das. Unweigerlich wird die Kamera nach oben gekippt – mit dem Ergebnis, dass das Gebäude auf dem Foto gerade einzustürzen scheint. Stürzende Linien lassen sich am einfachsten dadurch beseitigen, dass der Fotograf einen Aufnahmestandpunkt wählt, der weit genug vom Motiv entfernt ist und etwa auf der mittleren Höhe des zu fotografierenden Gebäudes liegt. Mit dem Einsatz eines speziellen Shiftobjektivs lassen sich stürzende Linien ebenfalls vermeiden, und die gängigen Bildbearbeitungsprogramme rücken auch so manche Linie wieder gerade. Stürzende Linien können aber auch als Stilmittel dienen, wenn es darum geht, die gewaltigen Dimensionen eines Gebäudes darzustellen. Sie gerade zu rücken, macht eigentlich nur dann Sinn, wenn nur leicht geneigte Linien einen aufnahmetechnischen Mangel vermuten ließen. Viel spannender als eine formal korrekte fotografische Umsetzung wirken Architekturbilder, die ganz bewusst die Regeln brechen: mit kühnen Perspektiven, extremen Weitwinkelbrennweiten, Reflexionen, gewollten Unschärfen und Verfremdungen bis hin zur Abstraktion. Denn gute Architekturfotos sind vor allem das Resultat von Sehen und Entdecken.

Tipps zur Architekturfotografie:

  • Setzen Sie Ihre ganz persönliche Sichtweise um. Das bringt mehr als rein dokumentarische Aufnahmen.
  • Korrigieren Sie stürzende Linien nur dann, wenn diese die Komposition wirklich stören und als Fehler betrachtet werden können.
  • Bringen Sie mit extremen Weitwinkelbrennweiten Dynamik ins Bild.
  • Heben Sie Details mit langen Brennweiten hervor.
  • Arbeiten Sie mit engen Ausschnitten; lassen Sie die Umgebung außen vor.
  • Verleihen Sie statischen Motiven durch gewollte Bewegungsunschärfen mehr Lebendigkeit.
  • Setzen Sie Linien, Flächen und Strukturen plakativ in schwarzweiß ins Bild.
  • Mit dem Panoramamodus bringen Sie extreme hohe oder breite Gebäude am besten zur Geltung

In unserem Workshop "Architektur im Fokus" finden Sie weitere Tipps...

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